BuchpräsentationEndzeit - Krieg und Alltag in Tirol 1945

27.09.2021 - Horst Schreiber entwirft ein neues, überaus facettenreiches Bild der Endzeit nationalsozialistischer Herrschaft in Tirol, die bis zuletzt funktionierte. Wie sie sich langsam auflöste, ist Inhalt dieses Buches.

Buchpräsentation mit Univ.-Doz. Dr. Horst Schreiber

Szenische Lesung der Theatergruppe nachtACTiv unter der Leitung von Mag.a Dr.in Irmgard Bibermann

Begrüßung: Bgm. LA Stefan Weirather, Kulturreferent

 

Montag, 4. Oktober 2021 | 19.30 Uhr | Raiffeisensaal, Stadtplatz 9 – 10, Passage

 

Eintritt frei! | Bitte beachten Sie die aktuellen Covid-Bestimmungen und bringen Sie ihren 3-G-Nachweis!

Einladung als PDF

 

Der Autor beschreibt die Attraktivität und das Grauen des Krieges, Leid und Trauer an der Heimatfront sowie das Kriegsende in den Bezirken und die Befreiung Innsbrucks. Als der Mythos von Hitler verblasst war, regierte das Regime nur noch mit Terror gegen die eigene Bevölkerung.  Tiroler Soldaten erlebten den Krieg als touristisches Unternehmen und als Möglichkeitsraum, als Kämpfer für das deutsche Vaterland, als Kriegsverbrecher, Opfer und Deserteure. Die meisten starben im letzten Kriegsjahr. Das Buch untersucht den Blick der Einheimischen auf die US-amerikanischen und französischen Besatzer, auf Tirolerinnen mit intimen Beziehungen zu den ausländischen Befreiern, auf Flüchtlinge und Vertriebene, denen man vorwarf, was man selbst tat: Plündern. Horst Schreiber legt die Erfahrungen unzähliger Menschen offen. Sie zeigen, wie unterschiedlich Verfolgte und Befreite, Täter und Beteiligte, Soldaten und Kriegsgefangene, Frauen und Kinder das Ende des Nationalsozialismus und die Zeit nach dem Krieg erlebten. Durch ständige Perspektivenwechsel erzeugt er so einen Chor der Vielstimmigkeit.

„Endzeit – Krieg und Alltag in Tirol 1945“ ist bereits im vergangenen Jahr erschienen, coronabedningt musste die in Imst geplante Präsentation mehrmals verschoben werden. Erst unlängst hat der renommierte Historiker, Leiter von erinnern.at Tirol,  die Geschehnisse um Diskussion und den Abbau der „Gedenkstätte“ im Putzenwald dokumentiert und die bislang bekannten historischen Fakten recherchiert und zusammengefasst.  

Am 19. Mai 1945, also fast zwei Wochen nach Kriegsende, holten US-Soldaten Rudolf Rasehorn, Hans Rieser und Arie de Jong in der Südtiroler Grettert-Siedlung in Imst ab und erschossen sie im Putzenwald. Sie waren Mitglieder der Waffen-SS, zwei von ihnen der SS-Totenkopfverbände, hingerichtet im Putzenwald in Imst, ohne ordentlichen Prozess. 1975 errichteten Mitglieder des Imster Kameradschaftsbundes eine Gedenkstätte, welche die Exekutierten als Soldaten auswies, ihre SS-Mitgliedschaft wurde verschwiegen. Im heurigen Jahr folgte eine heftige mediale Diskussion, in deren Folge die Gedenkstätte abgebaut wurde. Mehr unter www.erinnern.at (Bundesländer: Tirol)

https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/putzenwald-in-imst-erinnerung-an-ss-maenner

Es bleiben Fragen offen, doch liegen jetzt wesentliche Fakten am Tisch, damit sich eine breite Öffentlichkeit ein eigenes Urteil über einen komplexen Sachverhalt bilden kann. Doch die Diskussion, wie nach der Beseitigung des Gedenkzeichens mit dieser nach dem Abriss der Gedenkstätte erinnerungskulturellen Leerstelle umgegangen werden soll, wird in Imst weitergehen, meint Horst Schreiber.

 

Text: Sabine Schuchter

Fotonachweis: Sabine Schuchter Museum im Ballhaus

Bild: Der Autor Horst Schreiber
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