Das Pitztalsummt

Zahlen & Fakten
Standort: Pitztal
Projektträger: Regionalmanagement Bezirk Imst
Vorgeschlagener Fördersatz: 75% (65% für Projekte für Bewusstseinsbildung + Bonus 10% für besonders innovativ und kooperativ)
Projektlaufzeit: 15.10.2021 bis 31.10.2023

Das Inntal summt nun im Pitztal weiter - das Vorzeigeprojekt findet nun auch im Pitztal Anwendung. Erklärtes Ziel: Brachliegende Grünflächen in summende, naturnahe und blütenreiche Blühflächen verwandeln.

Ausgangssituation:

Vielleicht ist es ihnen selbst schon aufgefallen, eine Autofahrt von Imst nach Innsbruck im Frühling und Sommer war früher noch eine richtige Herausforderung für die Scheibenwischanlagen unserer motorisierten Gefährte. Da ein Schmetterling, hier eine Fliege, dort ein Falter, ab und an eine Biene und von den vielen Mücken brauchen wir erst gar nicht reden und der Tod des Maikäfers war nicht nur durch einen entsprechenden Klecks an der Windschutzscheibe gekennzeichnet, sondern vor allem auch durch ein unverkennbares „Dong“ begleitet.

Schon vor Jahren kündigten Wissenschaftler ein größeres Insektensterben an, damals oft belächelt und nicht wahrgenommen, zumal der kleine Friedhof auf der Windschutzscheibe das Gegenteil bewies, doch seit ein paar Jahren fällt es auch zunehmend den Autofahrerinnen und Autofahrern auf, dass der Scheibenwischer im Frühling, Sommer und Herbst vermehrt unbenützt bleibt.

Das Insektensterben schreitet unaufhörlich voran, seit 1989 ist die Masse an Insekten um knapp drei Viertel gesunken (Süddeutsche Zeitung 2017). Alarmierend, vor allem in Hinblick darauf, dass die Insekten die Bestäuber unserer Nutzpflanzen sind und somit nicht zuletzt auch maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass wir unser tägliches Brot genießen können.

Allmählich zeigen sich jedoch vermehrt Initiativen, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen. So haben in Tirol etwa die Tiroler Landesumweltanwaltschaft aber auch das Tiroler Bildungsforum Projekte in die Wege geleitet, die das Insektensterben behandeln und zu vermehrter Achtsamkeit in Bezug auf den Umgang mit unseren kleinen Sechsfüßlern aufrufen. 2017 gab es auch im Inntal erste Regungen hinsichtlich eines Projekts zur Förderung der Insektenvielfalt. Damals wurde in Kooperation mit der Klima- und Energiemodellregion, dem Regionalmanagement Bezirk Imst und sieben Gemeinden im Inntal und am Mieminger Plateau das Projekt „Das Inntal summt“ gestartet. Aufbauend auf dem Erfolg des Vorhabens haben nun auch andere Gemeinden Interesse gezeigt.

Vorliegendes Konzeptpapier soll eine dreijährige Variante des Projekts im Pitztal darstellen. Die Gemeinden übernehmen für das Vorhaben die Vorfinanzierung, als Projektträger und administrativer sowie organisatorischer Abwickler fungiert das Regionalmanagement Bezirk Imst bzw. die Klimawandelmodellanpassungsregion Pitztal (KLAR! Pitztal).

Das Projekt:

Ziel des Projekts ist es in den teilnehmenden Gemeinden neben bewusstseinsbildenden Maßnahmen (Informationsveranstaltungen, Workshops, Vorträge etc.) auch konkrete Grünflächen in mehrjährige blühende Flächen zu verwandeln, um somit eine erhöhte Diversität innerhalb der Gemeindeflächen sicherzustellen.

Folgende Maßnahmen sind angedacht:

Planung und Anlage von Grünflächen inklusive Schulung – 2021 und 2022 | Regio & KEM

Um in den Gemeinden entsprechend den Zielvorstellungen naturnahe Grünflächen zu etablieren, soll im Zuge einer Maßnahme die Planung und Anlage von Grünflächen erfolgen. Dies soll in Form von Workshops unter Einbeziehung der Gemeindemitarbeiter*innen des Pitztals geschehen. Die Gemeinden müssen im Vorfeld entsprechende Flächen nennen und für das Projekt zumindest Flächen im Ausmaß von 100 m² bereitstellen. Darüber hinaus müssen die Gemeinden ein bis zwei Ansprechpartner für das Projekt melden, wobei ein Akteur/eine Akteurin für die Betreuung der Grünflächen zuständig sein muss.

Familiennachmittage und themenorientierte Workshops – 2022 | Regio & KEM

Um eine entsprechende Bewusstseinsbildung zu garantieren, werden in allen vier Gemeinden oder sofern möglich gemeinsame öffentliche Veranstaltungen zum Thema durchgeführt. Ziel dieser Veranstaltungen ist es die breite Bevölkerung über das Thema zu informieren. Die Veranstaltungen sollen sich sowohl an Erwachsene als auch an Kinder richten. Neben den Veranstaltungen sollen in der Region mind. 4 Workshops angeboten werden. Die Workshops sollen sich thematisch am Thema „naturnahe heimische Grünflächengestaltung“ oder aber am Thema Biodiversität und Artenschutz orientieren.

Blühaktion – 2023 | Regio & KLAR! Pitztal

Aufbauend auf die im Jahre 2021 und 2022 getätigten bzw. geplanten Maßnahmen soll im letzten Jahr des dreijährigen Projekts nochmals konkret auf die Bevölkerung eingegangen werden. Angedacht ist hierfür eine kostenlose Verteilaktion für Saatgut sowie zwei oder mehreren öffentlichen Workshops zur Anlage von naturnahen Blühflächen. Zur Abrundung der Blühaktion ist ein Fotowettbewerb geplant.

Mehrwert für die Region:

Das Projekt birgt in mehrfacher Hinsicht einen wichtigen Nutzen für die Region. Neben dem Beitrag zur Artenvielfalt wird aufgrund der bewusstseinsbildenden Maßnahmen die Bedeutung des Naturraums und dessen Leistungen für das gesellschaftliche Leben ins Zentrum gerückt. Des Weiteren wird dadurch auch eine verbesserte Identifizierung mit dem regionalen Lebensraum ermöglicht. Durch die Blühwiesen wird zudem das Naturerlebnis gefördert. Die Informationsveranstaltungen dienen darüber hinaus der Vermittlung von Wissen und dient somit dem Aufbau von Kompetenzen zum Naturraum.

Weiters wird auch ein Beitrag zur Klimawandelanpassung bzw. zum Klimaschutz geleistet. Durch die Aufwertung und Neubepflanzung öffentlicher Grünflächen kann ein wichtiger Beitrag in Punkto Klimawandelanpassung geleistet werden. Grünflächen tragen zur Filterung von Luftschadstoffen bei, sichern Wasser- und Stoffkreisläufe und bilden eine grüne Infrastruktur, die auch die Lebensqualität in den Gemeinden erhöht. Darüber hinaus wird die Artenvielfalt erhalten bzw. gesteigert, nicht zuletzt können dadurch invasive Arten bekämpft oder gar verhindert werden. Dadurch werden hohe Kosten in der Bekämpfung dieser invasiven Arten, welche sich insbesondere durch die Erwärmung verstärkt auch in unseren Breiten niederlassen, vermieden.

Noch Fragen?

Haben wir Ihr Interesse geweckt oder gibt es Rückfragen zu diesem Thema? Melden Sie sich bei Manuel Flür, Tel. 05417 200 18.

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